Funktionstheorie

Wir haben festgestellt, dass es sieben verschiedene Dreiklänge in einer Tonleiter gibt. Natürlich hat jeder davon eine bestimmte harmonische Funktion.

Video in Kurzform

Hauptdreiklänge

Ausgehend von der Durtonleiter haben wir drei Hauptdreiklänge. Es sind die Durdreiklänge und sie stehen auf den Stufen I (1. Stufe) ; IV (4. Stufe) und V (5. Stufe). Mit diesen Hauptdreiklängen kann jede Melodie, basierend auf der Durtonleiter, harmonisiert werden. Alle Töne dieser Dreiklänge ergeben wieder die Durtonleiter. Von der anderen Seite betrachtet kann eine Durtonleiter erstellt werden, wenn die Töne von drei Durdreiklängen, die jeweils eine Quint auseinanderliegen, in eine Oktav bringt.

Beispiel C-Dur

Hervorgehobener Text

Der Dreiklang, der die Tonart bestimmt, steht auf der ersten Stufe und wird als Tonika (Kurzschreibweise: T) bezeichnet. Die Anderen bilden einen harmonischen Gegenpol und dominieren zeitweise unser Grundtonempfinden auf den anderen beiden Stufen. Der eine ist eine Quint höher als der Grundton, also auf der fünften Stufe, und wird als Dominante (D) bezeichnet. Der andere ist eine Quint tiefer und wird demzufolge als Subdominante (S) bezeichnet. Der Grundton dieses Dreiklangs ist auf der vierten Stufe. Diese Bezeichnungen geben dem wesentlichen harmonischen Geschehen einfache Namen. 

Tonika:
Ich befinde mich auf dem Grundton.

Subdominante oder Dominante:
Ich befinde mich auf einer zur Tonika zurückstrebenden Funktion.

Dieses Wissen kann einen unter Extremsituationen retten. Wer als Musiker sein Geld verdienen will und öfters bei Bands einspringen muss, steht häufig vor dem Problem, dass er sich ein sehr umfangreiches Programm in kürzester Zeit erarbeiten muss. Zum Glück gibt es diese unzähligen Dreiakkordhits, die lediglich unsere Hauptdreiklänge verwenden. Bei diesen kann man sich getrost auf sein Ohr verlassen und spart sich so, für diese Leadsheets rauszuschreiben. Auf diesen würde sowie nichts besonderes stehen und das Lesen wäre meist umständlicher als das Hören. Ein Try and Error Verfahren würde zumindest zum Durchmogeln ausreichen. Wenn man den Akkordwechsel hört, ist die Chance, den richtigen Akkord zu treffen immerhin 50 % und mit etwas Erfahrung wird die Fehlerquote doch bald gegen Null gehen. Ich bezeichne dieses System als die erste Stufe des funktionalen, harmonischen Hörens.

Das funktionale Hördreieck:

Funktionales-Hördreieck
  • Die drei Durdreiklänge der Durtonleiter nennt man Hauptdreiklänge
  • Stufe I ist die Tonika
  • Stufe IV ist die Subdominante (eine Quinte unter der Tonika)
  • Stufe V ist die Dominante (eine Quinte über der Tonika)
  • Mit diesen Dreiklängen kann man jeden Ton der Tonleiter harmonisieren
  • Die Kurzschreibweise ist: T ; S ; D

Anwendungsbeispiele

Begleiten nach Gehör und das harmonische Verständnis für Mehrstimmigkeit.

Nebendreiklänge

Drei von sieben haben wir nun funktionsharmonisch versorgt. Die drei Molldreiklänge werden als Nebendreiklänge bezeichnet. Sie sind die Mollparallelen zu den drei Hauptfunktionen. Genauso wie bei den Tonleitern ist ein Molldreiklang, der eine kleine Terz tiefer als ein Durakkord liegt, der Paralleldreiklang dieses Durdreiklangs.
In C-Dur ist also Am die Mollparallele zu C-Dur,
Dm zu F, und Em zu G. So verhält es auch mit den Funktionen: Auf der VI Stufe ist die Tonikaparallele (Tp), auf der II. Stufe die Subdominantparallele (Sp) und auf der III. Stufe die Dominantparallele (Tp).
In der Livepraxis heißt das: Ich höre die z.B die Funktion der Subdominante, sie ist es aber nicht, also ist es die Mollparallele. Kommen in einem Lied jedoch viele Akkorde vor, empfiehlt es sich jedoch, eher auf den Bassverlauf zu hören. Dies entspricht in etwa der Denkweise der Stufentheorie.

Das Beispiel

Hervorgehobener Text

Tonika:
Ich befinde mich auf dem Grundton.

Subdominante oder Dominante:
Ich befinde mich auf einer zur Tonika zurückstrebenden Funktion.

  • Die drei Molldreiklänge der Durtonleiter nennt man Nebendreiklänge
  • Stufe VI ist die Tonikaparallele
  • Stufe II ist die Subdominantparallele
  • Stufe III ist die Dominantparallele
  • Mit diesen Tonstufen kann man Töne der Tonleiter, alternativ zu den Hauptdreiklängen, harmonisieren
  • Die Kurzschreibweise ist: Tp ; Sp ; Dp

Die Molldreiklänge können aber auch als Gegenklang zu einem Durakkord angesehen werden. Die Verwandtschaft dieser Akkorde begründet sich auf den Überschneidungen der Töne:
Das Beispiel:
A- Moll (Parallele) A C E
C- Dur C E G
E- Moll (Gegenklang) E G B

Anwendungsbeispiele

Begleiten nach Gehör und das harmonische Verständnis für Mehrstimmigkeit.

Übungstipps

Versuche bei Liedern immer zu hören, wann der Grundton und damit die Tonika auftaucht.
Bei einem zweiten Durchgang achtest du darauf wann sich der Akkord in der Begleitung ändert.
Beim dritten Durchhören versuchst du ausgehend von der Tonika immer beim Akkordwechsel eine der anderen beiden Funktionsharmonien auf deinem Instrument zu spielen. Die Chance den Richtigen zu treffen ist dabei 50%. Also nicht verzweifeln, wenn er nicht passt nimm einfach den Anderen.
Aus Erfahrung ist die Dominante ein stärkerer Gegenpol zur Tonika als die Subdominante.
Von Vorteil ist, wenn man die Tonika heraushört und damit immer einen sicheren Heimathafen findet.
Der Quintenzirkel ist ein hilfreiches Instrument für die Akkorde. Tonika in der MItte, Subdominante im Gegenuhrzeigersinn (GUZS), Dominante im Uhrzeigersinn (UZS).

Probiere das zunächst mit einfachen Liedern aus.

P.S. Das geht natürlich nur auf polyphonen Instrumenten.